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kritisch nachgefragt

"Warum sind die Felder mit so vielen Folien abgedeckt?"

Im Frühjahr setzen wir auf den Spargel- und Erdbeerfeldern unterschiedliche Folien und Vliese zur Abdeckung der Flächen ein. Zum Teil werden die Flächen auch zeitweise doppelt bedeckt, um den gewünschten Effekt der Ernteverfrühung zu erzielen. Die Abdeckungen bewirken eine frühere Erwärmung des Bodens und damit eine schnellere Pflanzenentwicklung bei den Erdbeeren und einen schnelleren Austrieb beim Spargel. Wenn die Sonne scheint können wir den Beginn der jeweiligen Erntezeit so um zwei bis drei Wochen vorziehen.

 

Soviel zu den Vorteilen. Eigentlich würden wir trotzdem gerne darauf verzichten...

 

Diese Materialien können zwar mehrere Jahre genutzt werden, irgendwann entsteht aber auch ein ganz schön großer Haufen Müll, der teuer entsorgt werden muss. Dann wird für viel Geld Ersatz gekauft, der vorher mit nicht geringem Material- und Energieeinsatz produziert wurde. Macht das Sinn?

 

 Bild: Doppelabdeckung einiger Spargelreihen mit schwarz-weißer Folie und darüber transparente Folie als Tunnel über Drahtbögen gespannt

 

Ich selbst bin kein Freund dieser "Materialschlacht", wir folgen aber notgedrungen einem Trend, der sich Ende der 90er Jahre entwickelte und heute praktisch zum Standart geworden ist.

Als wir 1985 die ersten Erdbeeren und 1988 den ersten Spargel auf unseren Feldern kultivierten, gab es diese Folien noch nicht. Da begann die Spargelzeit meistens Anfang Mai und die ersten Erdbeeren gab es irgendwann Anfang Juni. Die Entscheidung, wann es losgeht lag praktisch durch das Wetter bei der Natur und "alles war gut".

 

Dann wurden vereinzelt die ersten Abdeckungen eingesetzt, mit dem Erfolg, dass der jeweilige Anbauer einige Tage früher mit der Ernte beginnen konnte als die anderen. Er bekam natürlich höhere Preise für sein Produkt und die Kunden strömten zu ihm, weil die anderen ja noch nichts hatten.

 

 Bild: Einfachabdeckung der Erdbeeren mit Vlies

 

Es dauerte nicht lange, dann erkannten viele Anbauer diesen "Vorteil" und diejenigen, die noch keine Abdeckung hatten, merkten schnell, dass ihnen die Kunden "wegliefen" - natürlich nicht alle, aber auch wir hatten nun auf einmal einen klaren "Nachteil". Nach relativ kurzer Zeit war die Abdeckung dann zum Standart geworden. Fast jeder Anbauer nutzte sie und eigentlich hatte kaum einer einen Vorteil dem anderen gegenüber. Jetzt haben eben alle ein paar Tage eher geerntet...

Um wieder früher als die Konkurrenz zu sein, wurde nun doppelt abgedeckt, bis sich notgedrungen auch hier die meisten Anbauer, ich inklusive, angepasst hatten.

 

Bild: Doppelabdeckung auf einem Teil der Erdbeerfläche mit Vlies und Folie

 

Jetzt im Moment experimentieren die ersten Anbauer mit einer dreifach- Abdeckung und auch der nächste Schritt, begehbare Folientunnel, die gleich mehrere Reihen überspannen, ist schon verbreitet im Einsatz. In deren Inneren sorgen weitere unterschiedliche Abdeckungen für einen zusätzlichen Zeitvorsprung von ein paar Tagen.

Die "Krönung" des ganzen und meiner Meinung nach "echter Blödsinn" sind dann beheizte Spargelfelder, die den Anbauer fast völlig unabhängig von der Natur erscheinen lassen. Hier werden auch noch kilometerweise Heizschläuche im Boden vergraben und wenn man nicht gerade die Abwärme einer Biogasanlage oder der Industrie nutzen kann, dann wird auch noch eine eigene Heizung dafür betrieben. Wenn man diese dann einschaltet und das warme Wasser durch das Feld pumpt, kann kurze Zeit später der Erntehelfer mit dem Stechmesser kommen - das geht auf Wunsch auch zu Weihnachten...!

 

 

Der Folieneinsatz hat aber auch echte Vorteile, die will ich nicht verschweigen.

 

 Bild: Steuerung der Erntemenge durch unterschiedliche Spargeldammabdeckung

 

Die schwarz-weiße Folie ist lichtundurchlässig, dadurch wächst auf dem Damm kein Unkraut mehr, welches früher die Ernte erschwert hat. Auch die Qualität des geernteten Spargels ist hierdurch besser und durch die unterschiedlichen Farben kann man die Temperatur im Damm und damit die Erntemenge ein Stück weit steuern.

 

Bei Nachtfrösten während der Blütezeit der Erdbeeren hat uns die isolierende Wirkung des Vlieses schon vor hohem Schaden bewahrt und ich möchte und kann nicht darauf verzichten.

 

 

Aber muss das "Wettrüsten" um die beste Ernteverfrühung um jeden Preis wirklich sein?

 

Ich denke nicht, Spargelzeit ist für mich im Mai und Juni, wenn der Spargel wachsen möchte - doch die Entscheidung trifft wie so oft der Verbraucher mit seinem Einkauf!

Er unterstützt die jeweilige Produktion oder eben nicht und macht sie dadurch auch erst möglich oder kann sie verhindern. Anbauer wie ich, die das eigentlich gar nicht wollen (und das sind sehr viele!), müssen sich zumindest ein Stück weit anpassen, oder sie fallen "hinten runter".

Wenn im März die Hochglanzanzeigen der Discounter den ersten deutschen Spargel anpreisen und im Radio die Werbung für die leckere Spargelsauce dudelt, dann ist es doch komisch, dass sich bei Kaemena`s noch nichts tut!

Im Ergebnis sind viele Kunden dann Ende Mai / Anfang Juni, wenn der Spargel auch ganz ohne Verfrühung von alleine wächst, buchstäblich "satt, und können keinen Spargel mehr sehen"!

 

 

 

Zu dieser Zeit ist die Ernte deutlich einfacher und geht schneller, weil wir den Spargeldamm ja nicht erst arbeitsaufwändig "auspacken" müssen. Dadurch sinken natürlich unsere Lohnkosten pro kg und wir können den Spargel günstiger anbieten, da ja auch die Materialkosten für die Verfrühung hier nich mit einkalkuliert werden müssen.

 

Sicher kann man die Zeit nicht zurückdrehen und die Entwicklung nicht aufhalten. Ich wäre aber doch froh, wenn man sich wieder mehr Gedanken über sein Handeln macht und gerade bei den Lebensmitteln wieder zum "Normalen" und zur Natur zurück finden würde!

 

Von uns werden Sie auch in Zukunft weder Spargel noch Erdbeeren im Winter erwarten dürfen - wenn wir einmal über eine Bodenheizung nachdenken sollten, dann bestenfalls im Wohnzimmer!

Freuen wir uns lieber gemeinsam auf die echte Spargel- und Erdbeerzeit!

 

In diesem Sinne, mit "sonnigen" Grüßen, Hajo Kaemena