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kritisch nachgefragt

"Sind die Erdbeeren gespritzt?"

Die Erdbeeren und der Spargel werden bei uns nach dem "integrierten Verfahren" angebaut. Das heißt, ich beobachte die Kulturen während der Vegetationszeit sehr genau und sehe nach, ob es ihnen gut geht. Oft tut es das auch. Viele Probleme löst die Natur von ganz alleine, das beste Beispiel ist hier der Marienkäfer, der die schädigenden Blattläuse frißt. Bei meinen regelmäßigen Beobachtungen im Feld zähle ich also z.B. ganz konkret die Blattläuse und die Marienkäfer.

 

 

 

Nach mehreren Stichproben kann ich mir ein Bild über die Situation im Pflanzenbestand machen und anhand von "Schadschwellen" einschätzen. Das bedeutet: bis zu einer bestimmten Grenze nehme ich die Läuse in Kauf oder gehe davon aus, dass die Marienkäfer das Problem für mich lösen werden.

 

 

Erst wenn die Schadschwelle überschritten wird, ich also zu viele Läuse pro Pflanze finde, muß ich befürchten, dass es die Marienkäfer nicht schaffen werden. Die Läuse könnten sich dann im kurzer Zeit massiv vermehren und dann (und auch erst dann) die Pflanzen ernsthaft schädigen. Hier droht dann ein erheblicher Schaden, das kann bis zum Totalausfall führen.

 

Ob sich ein Schädling, in diesem Falle die Blattlaus, zum ernsten Problem entwickelt oder einfach nur da ist und toleriert werden kann, hängt von verschiedenen Faktoren, wie z.B. der Wetterlage ab und wird wie beschrieben von mir beobachtet.

 

Ein weiterer "Übeltäter" und nicht gerne gesehen ist der Erdbeerblütenstecher:

 Er ist sehr klein, man muss schon genau hingucken, um ihn zu finden (auf der Knospe links unterhalb der Blüte)

 

 

Dies ist ein Käfer, der zur Eiablage den Knospenstengel der Erdbeerpflanze ansticht.

 

 

Dadurch stirbt die betroffene Knospe ab, hieraus kann keine Frucht mehr entstehen. Da die Käfer von Knospe zu Knospe krabbeln und jeder einzelne eine Vielzahl von Knospen ansticht können diese einen erheblichen Schaden anrichten.

 

 

Diese Knospen sind verloren. Nach dem Anstechen knicken sie ab und vertrocknen.

Auch diesen "Kameraden" muss ich also regelmäßig suchen und zählen.

Sollte ein Schädling überhand nehmen und andere biologische Maßnahmen führen nicht mehr zum Erfolg, dann setze ich ein für diese Kultur und für diesen speziellen Zweck zugelassenes Pflanzenschutzmittel ein. Dieses wird in Wasser verdünnt und in genauer Dosierung mit der Feldpritze in den Pflanzenbestand ausgebracht. Durch diese gezielte Behandlung wird der Schädling nicht ausgerottet, sondern wieder auf ein "erträgliches Maß" reduziert. Viele nützliche und erwünschte Insekten werden dabei geschützt und nehmen keinen Schaden.

 

 

Durch diese Maßnahme wird die Pflanze gesund erhalten, nur dann geht es ihr gut und sie kann den gewünschten Ertrag bringen.

 

Vergleichen kann man das mit dem Gang zum Arzt: Bei etwas Husten wird der auch erst einmal zu Hausmitteln raten, bei einer Lungenentzündung wird es aber gefährlich und er wird ein passendes Medikament verschreiben.

 

Auch Pilzbefall kann sich unter ungünstigen Bedingungen ausbreiten und dann zum Problem werden. Daran, dass wir im sehr feuchten und daher problematischen Erntejahr 2013 zeitweise mehr faule als schöne Früchte an den Pflanzen hatten, konnte aber jeder Selbstpflücker erkennen, dass wir es mit der "Vorsorge" wirklich nicht übertrieben haben.

 

 

 

 

Hätten wir während der Blüte aber ganz auf die Behandlung des Pilzbefalles (Botrytisfäule) verzichtet, dann wäre in diesem Jahr die Ernte wahrscheinlich komplett verfault.

 

 

 

 

Auch hier setzen wir aber sehr stark auf biologische Maßnahmen, die den Anbau allerdings teurer machen. So entfernen wir beim Pflücken für die Verkaufsstände konsequent auch die kranken Früchte vom Feld, um die Infektionsgefahr für die gesunden zu verringern. Dies ist nur durch aufwändige Handarbeit möglich.

 

"Aber es gibt doch Erdbeeren aus Bioanbau, da geht es doch auch ohne "Spritzen"!" - könnten Sie jetzt sagen.

 

Der Bioanbau kommt tatsächlich fast ohne Pflanzenschutz- mittelanwendungen aus (einige "biologische" Präparate sind auch hier zugelassen). Bei größeren Anbauflächen hat man hier beim Auftreten der beschriebenen Probleme aber kaum noch  Möglichkeiten, den Pflanzen zu helfen. Mit vielen Arbeitskräften bekäme man die Situation vielleicht noch in den Griff. Zum einen stehen diese aber bei Berdarf gar nicht kurzfristig zur Verfügung und zum Anderen kämen hier sehr schnell Lohnkosten in einer Höhe zusammen, die den ganzen Anbau wirtschaftlich unrentabel machen würden (wenn man nicht einen höheren Preis für das Produkt bekäme).

Die Gefahr von ernsten Verlusten, die dann womöglich die betriebliche Existenz bedrohen könnten, ist mir persönlich zu hoch.

Auch bei mir kommt die Feldspritze aber erst zum Einsatz, wenn es keine sinnvollen anderen Möglichkeiten mehr gibt.

 

Ein Beispiel dafür ist der Tagetesanbau auf Flächen, die ich als nächstes mit Erdbeeren bepflanzen möchte.

 

 

Diese baue ich nicht an, weil ich sie so schön finde, und auch ernten und verkaufen kann ich sie nicht. Die teuren Blumen haben aber die für mich sehr wichtige Eigenschaft, dass sie Nematoden (das sind mikroskopisch kleine Würmer im Boden, die die Erdbeerwurzeln anstechen und die Pflanzen dadurch schwächen und für Krankheiten anfällig machen) abtöten können.

 

Auch das Unkraut auf den Feldern halten wir oft in aufwändiger Handarbeit klein,

 

 

 

anstatt die günstigere Variante der Pflanzenschutzspritze zu wählen.

 

Dem Bioanbau kommen wir auch auf dem Spargelfeld schon recht nahe. In der Praxis werden hier die meisten Behandlungen zum Schutz der Pflanze nach der Ernte durchgeführt. Dann, wenn der Spargel ausgewachsen ist und die hohen Buschreihen gebildet hat (siehe: Anbau Spargel).

 

 

Dies ist mir gar nicht möglich. Ich bräuchte hierfür Spezialtechnik wie z.B. einen extra hoch gebauten Trecker, mit dem man über die Pflanzen fahren kann, ohne sie abzubrechen. Da sich die Investition für meine relativ kleine Anbaufläche nicht lohnt und es hier auch seltener zu wirklich schlimmen Schäden kommen kann, führe ich hier also überhaupt keine Behandlungen durch.

 

An anderen Stellen kann es aber eben zu Situationen kommen, wo die Feldspritze als einzige Möglichkeit bleibt, um einen zu großen Schaden zu verhindern.

Wenn ich also die Pflanzen "spritzen" muß, dann passiert das immer vor der Ernte, während der Pflanzenentwicklung. Die fertige Erdbeere entsteht immer erst später und wird nicht "gespritzt". Daher kann man die Erdbeeren auch bedenkenlos sofort essen und muss sie nicht erst waschen.

 

Jedes Pflanzenschutzmittel, das wir bei Bedarf einsetzen, wurde vom Gesetzgeber umfangreich geprüft und hat eine ausgewiesene "Wartezeit" bekommen. Dieser Zeitabstand muß zwischen der Behandlung und der ersten Ernte verstreichen. Erst dann sind die Rückstände des Pflanzenschutzmittels im Erntegut mit Sicherheit so weit abgebaut, dass auch bei hoher Verzehrsmenge über einen langen Zeitraum hinaus keine Schäden mehr im menschlichen Körper möglich sind.

Die Anwendung der Pflanzenschutzmittel erfolgt im Rahmen enger gesetzlicher Vorschriften und die Einhaltung wird regelmäßig kontrolliert.

Auch die verwendete Technik wird streng überwacht: genauso wie mit dem Auto muß ich alle zwei Jahre mit der Feldspritze zum Tüv. Hier geht es dann nicht um Bremsweg oder Beleuchtung, die Prüfer messen die exakte Verteilung der Spritzflüssigkeit und begutachten den allgemeinen technischen Zustand des Gerätes. Erst wenn alles stimmt, bekommt die Spritze einen Aufkleber und darf weiter eingesetzt werden.

 

 

Übrigens: Im Ausland gelten zum Teil weit weniger strenge Regeln zum Pflanzenschutzmitteleinsatz. Das von dort kommende Obst und Gemüse ist oft weit mehr mit Rückständen belastet, als dies in der deutschen Landwirtschaft erlaubt wäre.

 

 

Kontrollproben aus meinem Anbau sind noch nie beanstandet worden.

Wenn mit den sehr guten Nachweismöglichkeiten heutzutage in Nahrungsmitteln Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden werden, dann ist das kein Skandal, sondern viel mehr die logische Folge einer zugelassenen Behandlung. Minimale Rückstandsspuren davon lassen sich auch im Erntegut noch finden. Entscheidend ist allein die Menge der Rückstände, die einen vorgegebenen Grenzwert nicht überschreiten dürfen.

Bei sachgerecht durchgeführtem Pflanzenschutz können keine Überschreitungen von Rückstandswerten auftreten. Erst die Überschreitung der Grenzwerte kann schädliche Folgen haben, ist verboten und wird empfindlich bestraft. Dies muss meiner Meinung nach auch öffentlich gemacht werden, da hier ein paar "schwarze Schafe" die verantwortungsvolle Arbeit eines ganzen Berufsstandes in Verruf bringen können.

 

Ich hoffe, dass ich mit meinen Ausführungen einige Fragen beantworten und Unklarheiten klären konnte. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, komme ich auch gerne mit Ihnen ins Gespräch und zeige Ihnen unseren Anbau, z.B. bei einer Feldführung.

 

 

Ich würde mich darüber freuen, wenn Sie mir und uns, dem

Hof Kaemena, weiterhin Ihr Vertrauen schenken, ganz sicher werden wir Sie nicht enttäuschen!

 

Mit "fruchtigen" Grüßen, Hajo Kaemena